Internetnutzung und Web 2.0 im Handwerk - Methode und Ergebnisse

Um zu untersuchen welche Vorkenntnisse, Möglichkeiten und Akzeptanz in Bezug auf E-Learning 2.0 und Web 2.0 Technologien bei der avisierten Zielgruppe gegeben sind, wurde ein Onlinefragebogen entwickelt. Auf insgesamt 6 Seiten sollten die Teilnehmenden Fragen zu ihrem Handwerksbetrieb, ihrer privaten und beruflichen Computernutzung und ihrer Nutzung von Web 2.0 Tools beantworten. Außerdem konnten sie ihre Einstellungen und Erfahrungen in Bezug auf E-Learning, Blended Learning und Web 2.0 einschätzen.
Die Umfrage wurde auf mehreren Webseiten von unterschiedlichen Berufsfachverbänden des Handwerks, auf den Seiten mehrere Bildungsträger und Handwerkskammern sowie durch den offiziellen Newsletter des Zentralverbands des Deutschen Handwerks – kurz ZDH – beworben. 587 Probanden haben an der Umfrage teilgenommen, von denen 328 diese erfolgreich beendet haben. Somit ergibt sich eine Rücklaufquote von 55,9 Prozent. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit lag bei 7,59 Minuten; dies stellt einen sehr angemessenen Aufwand für eine Onlinebefragung dar. Das Durchschnittsalter beträgt 38,23 Jahre(R = 55; s = 13,59) und 76,1 Prozent der Teilnehmenden sind männlich, 23,9 weiblich. Dies spricht für die Repräsentativität der Ergebnisse da dieser Wert fast der exakten Frauenquote im deutschen Handwerk entspricht.
20,9 Prozent der Befragten sind Auszubildende, 19,2 Prozent Gesellen und 59,9 Prozent Meister. Somit sind die Auszubilden leider ein wenig über- und die GesellenInnen ein wenig unterrepräsentiert. In Bezug auf ihre Berufserfahrung geben die Teilnehmenden im Durchschnitt 18,03 Jahre (R = 56; s = 13,47) an. Die meisten (29,9%) geben an, in einem Betrieb mit mehr als 30 Mitarbeitenden zu arbeiten, und dass der entsprechende Betrieb schon länger als 60 Jahre besteht (28,3%).
Beim Bildungsgrad zeigt sich, dass mehr als die Hälfte aller Befragten über eine Fachhochschulreife (22,2 %) oder eine Fachoberschulreife (32,9 %) verfügen.

 

Demographie 

Anhand der erhobenen Daten zeigt sich, dass E-Mail Programme wie beispielsweise Outlook oder Thunderbird im betrieblichen Kontext signifikant häufiger eingesetzt werden als privat (T=(309)6,064, p < 0.001). In Bezug auf den Einsatz von Tools wie webbasierten Kalendern, Wikis, Blogs oder Foren lässt sich kein gravierender Unterschied zwischen der Häufigkeit der beruflichen und privaten Nutzung feststellen.
Insgesamt werden klassische Tools, oder besser Web 1.0 Tools, wesentlich häufiger genutzt als Web 2.0 Tools. Im beruflichen Kontext werden E-Mail Programme wie Outlook oder Thunderbird beispielweise, signifikant häufiger genutzt als Wikis (T(319) = 6,753, p < 0.001). 20,3 Prozent der Teilnehmenden geben sogar an, Wikis nicht zu kennen.

 

Nutzung beruflich: Web 1.0 (E-Mailprogramme Outlook, Thunderbird) versus Web 2.0 (Wikis) 

Im privaten Kontext ist der Unterschied in der Nutzung von E-Mail Webportalen und Blogs ebenfalls höchst signifikant (T(306)=8,232, p < 0.001). Hier geben 12,6 Prozent an, Blogs nicht zu kennen.

 

Nutzung privat: Web1.0 (Mail Webportale gmx, web.de) versus Web 2.0 (Blogs) 

Berufliche Fragen und Probleme werden in erster Linie im Gespräch mit Kollegen oder der/dem Vorgesetzten geklärt. Allerdings nutzen 15,8 Prozent der Teilnehmenden Foren oft bis sehr oft im betrieblichen Kontext und 46,8 Prozent recherchieren Fragen und Probleme oft bis sehr oft im Internet.
Die Teilnehmenden stehen dem Internet, sowie modernen Möglichkeiten der Wissensvermittlung wie E-Learning oder Blended-Learning positiv gegenüber.

 

Einstellung gegenüber dem Internet 

Rund ein Drittel der Befragten haben bereits an E-Learning Weiterbildungsangeboten teilgenommen und 44 Prozent können sich vorstellen, zukünftig an solchen Maßnahmen teilzunehmen. Ähnliche Ergebnisse gibt es in Bezug auf Blended-Learning Maßnahmen. Hier geben 23,5 Prozent an bereits an solchen teilgenommen zu haben, und 41,9 Prozent können sich vorstellen, zukünftig solche Angebote zu belegen. 48 Prozent finden eine Kombination von E-Learning und Präsenzlehre sinnvoll.
Es lassen sich auch signifikante Unterschiede zwischen den befragten Gruppen beobachten. So nutzen Auszubildende den PC signifikant seltener im Betrieb als angestellte oder selbstständige Meister (F(255)=4,813, p < 0.01 bzw. p < 0.001); im privaten Kontext ist dieses Verhältnis genau umgekehrt (F(272)=4,471, p< 0,01 bzw. p < 0.001). Auch bei der betrieblichen sowie privaten Nutzung von E-Mail Programmen lassen sich Unterschiede feststellen. Diese Tools werden von angestellten Meistern, beispielsweise, signifikant häufiger eingesetzt als von Auszubildenden (F(278)=8,199, p < 0.001). Auch webbasierte Tools wie Google Maps werden von angestellten Meistern im betrieblichen Kontext deutlich intensiver genutzt als von Auszubildenden (F(275)=2,881, p= 0.005).
Meister sind allerdings signifikant seltener Mitglied einer Online Community als Gesellen oder Auszubildende (F(280)=10,093, p< 0,001). Trotzdem recherchieren sie signifikant häufiger berufliche Probleme und Fragen im Internet als ihre Auszubildenden (F(279)=10,531, p< 0,001). Insgesamt geben 45,1 Prozent der Befragten an, kein Mitglied einer Community wie beispielsweise Xing zu sein.

 

Logo
Logo
Logo